Sunday, 10 June 2012

Zugfahren in Tokyo

 Rush Hour - Also so nah wollte ich meine "geliebten" Japaner auch wieder nicht haben...


Jedem ist bekannt, dass man sich in Tokyo in der Früh nicht unbedingt in den U-Bahnen bzw. Bahnen aufhalten sollte. Es sei denn, man hat es gern, eingequetscht zu werden.

Ich hab da ziemlich Glück gehabt. In meiner Zug ist es zum Glück nicht so voll, wie ich es befürchtet habe. Dachte ich zumindest. Bevor es nach Japan ging, habe ich einmal dieses Video auf Youtube gesehen. Also mental war ich schon drauf vorbereitet.Ich dachte es wird bei mir genauso sein...
Als ich dann zum 1. Mal mit dem Zug gefahren bin, war ich allerdings positiv überrascht. (eigentlich nicht beim 1. Mal... weil da gab es eine Störung und das zählt ja nicht, also sagen wir mal 2. Mal) Niemand musste in den Zug hinein gestopft werden. Voll war der Zug aber schon sehr. Am Ende der ca. 45-Minütigen Zugfahrt waren meine Beine aber ziemlich müde.
Warum ich anfangs dachte, dass es eh nicht so schlimm ist? Aus irgendeinen Grund waren weniger Menschen im Zug. Ich weiß, im März sind Schulferien. Aber im Zug im habe ich im April nur sehr wenige Schüler gesehen. Studenten sind es aber etwas mehr geworden. Aber können die paar Studenten mehr so einen Unterschied ausmachen?
Wie auch immer, im April war der Zug auf jeden Fall voller und aus! XD

Was ich ewig versucht habe herauszufinden: an welcher Stelle steig ich am besten in den Zug ein?
Was ich aber nicht so empfehle: die Stehplätze vor den Sitzen. Wenn du beim Eingang eingequetscht bist, bist du halt eingequetscht... wenn es aber so ist und du vor den Sitzen stehst... Du wirst nämlich von hinten gestoßen , nach vorne darfst du dich aber nicht fallen lassen, da dort ja Leute sitzen.  Deswegen bin ich lieber komplett eingequetscht, in der Nähe vom Eingang. (das erfordert weniger Kraft)
Die Dreiviertel Stunde nach Shinjuku wäre ja eigentlich nicht sooo schlimm. Aber 3 bestimmte Stationen lang ist es echt unangenehm. Die Station vor Shinjuku steigen zum Glück sehr viele aus. Da kann ich mich dann noch erholen. Wenn ich schon "Chitose Karasuyama" höre... Da sind so viele Leute eingestiegen. Ich habe die Station gehasst. XD

Nachmittags gibt es immer diesen "Semi Special Express". Der ist echt toll. Zwischen Shinjuku und Chofu gibt es nur einen Zwischenstopp und die Fahrt dauert nur 18 Minuten. (In Chofu muss ich dann umsteigen und eine Station mit dem Regionalzug fahren)
ABER in der Früh gibt es diesen Zug leider nicht <_< Ich fahre immer mit dem "Pendler Express" (so in etwa hab ich das jetzt mal übersetzt XD). Da muss ich zwar nicht in Chofu umsteigen, aber dafür dauert es eeeeewig. Der Zug in der Früh hält eindeutig in zu vielen Stationen...


Diese sogenannten "Stopfer", die am Bahnhof stehen und dann die Fährgäste in den Zug stopfen, haben sogar einen Namen. ホーム補助員 (ausgesprochen "hoomu hojoin"), was soviel heißt wie "Bahnsteig Helfer". Zumindest heißen die bei der Keio Linie so. "Helfer" trifft es aber tatsächlich besser als "Stopfer". Immerhin sind die ja nicht ununterbrochen mit hinein stopfen von Fahrgästen beschäftigt. Meistens stehen sie nur da und schauen, dass alle Türen zugehen.  Wenn nicht, dann stopfen sie den eingeklemmten Gegenstand oder Menschen hinein und schließen die Tür händisch.Oft geben sie Anweisungen wie "zurückbleiben bitte" oder "lassen Sie die Fährgäste bitte zuerst aussteigen", etc.
Bei der Keio Linie haben sie eine interessante "Uniform". Ein weißes Oberteil, darüber eine graue Weste mit gelben Warm-Streifen und eben der Aufschrift -. Weiße Handschuhe und was besonders wichtig ist: die weiße Kappe! Ich möchte auch noch erwähnen, dass die irgendwie alle gleich aussehen. Die meisten haben die gleiche Frisur...
Und auf diesem Blog (ganz unten) ist sogar ein Foto von einem :D
Ein Bahnsteighelfer bei seiner Arbeit [beim Rückflug gekritzelt]

Wo wir gerade bei Berufen sind...
Jeder Zug hat einen Fahrer (ach, wirklich? :D) und einen "Ansage-Menschen". Der ist, anders als der Fahrer, ganz hinten beim Zug. Er kümmert sich nicht nur um die Ansagen, sondern muss auch bei jeder Station aussteigen und dann das Signal zu Abfahren geben. Man könnte die fast mit unseren Schaffnern vergleichen.
Auf dem Bahnsteig sind neben den Bahnsteig Helfern auch noch verschiedene Angestellte bei der Bahn. Den Unterschied habe ich nie genau verstanden. Auf jeden Fall stehen auch welche bei den Türen des Zuges, die eine "typischere" Uniform anhaben. Sie machen eigentlich die gleiche Arbeit wie die Bahnsteig Helfer... haben einfach nur eine andere Uniform. Mir scheint es aber, dass diese Bahnsteig Helfer einfach nur Teilzeit arbeiten? Und daher auch nur in den Stoßzeiten bei der Bahn arbeiten.
Am Bahnsteig gibt es auch einen Ansage-Menschen.


Interessant ist es, die Japaner während der Bahnfahrt zu beobachten. Es gibt kaum welche die in die Luft schauen (oder in dem Fall den Rücken der Person vor sich anstarren). Die meisten machen irgendetwas am Handy. Viele schreiben Mails, aber einige haben auch Spiele. Mittlerweile sieht man auch schon viele Japaner mit Smartphone. Es gibt aber auch Japaner, die es schaffen ein Buch zu lesen. Faszinierend fand ich aber die, die im Stehen schlafen. Gut, Japaner können anscheinend überall und in jeder Situation schlafen. Aber im Stehen zu schlafen, das war mir neu. (immerhin erfordert es sehr viel Kraft sich an diesen Haltegriffen anzuhalten)

Die Frauenabteile finde ich jetzt nicht so besonders. Okay, es besteht die Gefahr nicht, von männlichen Salarymen begrapscht zu werden. Aber voll ist es trotzdem und ich vermute mal für die Füße lebensgefährlich.
Letztens fing ein Mann im Zug ur laut zu schimpfen an. "Pass doch auf! Das ist nicht das Frauenabteil! Nur weil sie nicht im Frauenabteil sein will! ..." Sowas in der Art hat er fast gute 5 Minuten geschimpft. Was wohl passiert ist? Ich vermute mal stark die Frau ist ihm auf die Füße gestiegen...

Einigen ist vielleicht bekannt, dass man in Japan in den Öffis nicht telefonieren darf. Allerdings gibt es einige Japaner, die sich nicht an diese Regel halten.
Für die Bahn gibt es sonst keine außergewöhnlichen Regeln (außer, dass man keine Tiere mitnehmen darf). Es gilt einfach nur: schau, dass du dich noch rein quetschen kannst. Die Japaner haben da einige Techniken entwickelt. Wie zu Beispiel sich oben, am Rand von der Tür festzuhalten und sich rein quetschen. Oder bevor die Türen schließen noch halbat am Bahnsteig stehen und sich erst dann rein drücken, sobald die Türen zu gehen. So verhindert man, dass nach einem noch wer einsteigen will bzw. ist es leichter sich rein zu quetschen während die Türen schließen.

Wenn man das hört, denkt man vielleicht an die bei uns üblichen Sensoren bei den Türen. Nunja, die Japaner haben sowas nicht. Wozu auch? Die Türen kriegt man auch so leicht genug auf. Einmal bin ich noch schnell zum Zug, bevor die Türen schließen. Hinter mir war ein Mann. Die Türen waren schon zu Hälfte zu. Er hält sie einfach auf, um noch rein zu können. Erlaubt ist das allerdings nicht, aber im Zug herrscht bei den Japanern eine Ausnahmesituation.
So nebenbei: viele Aufzüge haben diese Sensoren auch nicht. Deswegen muss man beim Einsteigen immer auf einen Knopf drücken, damit die Türen ja offen bleiben. (war immer sehr "amüsant" in der Schule...)

Das Verhalten der Japaner bei einer Endstation. (Keio Linien, Station Shinjuku in meinem Fall) Man stellt sich brav hintereinander (nach den Markierungen) auf. Soweit so gut. Kommt aber der Zug und die Türen gehen auf, gilt es wer zuerst die Sitzplätze ergattert. Ich hab das jetzt beobachtet. pro Reihe schaffen es die 6-8 ersten einen Sitzplatz zu kriegen. Bin ich also die 9. Person oder so, brauche ich mich gar nicht mehr um einen Sitzplatz zu bemühen, vor allem da die Japaner da sowieso schneller sind als ich. In dem Fall schau ich, dass ich einen guten Stehplatz kriege.
Für die Leute, die unbedingt einen Sitzplatz haben wollen, gibt es eine extra Markierung, die ist gleich neben der für die Menschen, die in den kommenden Zug einsteigen.Da musst du zwar auf den übernächsten Zug warten, stehst dann dafür aber ganz vorne. Bei einer längeren Strecke ist das vllt ganz angenehm. Diese Züge kommen sowieso alle 10 Minuten.

Interessant ist auch, dass die älteren Menschen am meisten drängen. Es sind noch nicht mal alle ausgestiegen und schon eilen sie in den Zug. Verständlich, da sie ja am ehesten einen Sitzplatz wollen/brauchen... allerdings frag ich mich manchmal woher plötzlich diese ungeheure Kraft kommt, gegen die Menschenmasse anzukämpfen.
Es gibt so genannte "priority Seats"... Allerdings sind die manchmal auch von jüngeren Menschen besetzt. Ich setze mich dort nicht hin, da ich sowieso weiß, dass ich da aufstehen muss. Und ich will jetzt nicht unbedingt asozial sein (vor allem als Ausländer).

Japaner schlafen oft im Zug. Verständlich, sie kommen ja auch nicht viel zum Schlafen und anstrengend ist jeder Arbeitstag sowieso. Was mir etwas Angst macht: neben einem schlafenden Japaner zu sitzen. Meistens schaffen sie es eh so zu schlafen, dass sie niemanden belästigen. Allerdings kann es auch passieren, dass ein fremder Kopf auf deiner Schulter landet.
Die Züge (und U-Bahnen) in Japan haben nämlich die Sitze an den Seiten, sodass man 2 Sitznachbarn haben kann. (ich kenn wen, der hatte schon fast 2 Köpfe auf seiner Schulter). Erklären kann ich es nicht gut, darum ein Foto:
so sieht ein Standard Zug von Innen aus
Eigentlich ist es sogar ziemlich praktisch so. Denn dadurch passen sehr viele Menschen in den Zug. Es gibt auch Wagons von manchen Zügen, wo die Sitze in der Früh hoch geklappt werden. Für kurze Strecken finde ich das super. Die sitzenden Menschen nerven nämlich schon, wenn der Zug so voll ist.

Wenn wir schon beim Zug an sich sind: Es gibt auch "spezielle! Züge. Wie zum Beispiel einer bei der Keio Linie. Dieser fährt von Takahatafudo bis zum Tama Doubutsukouen. Zwischenhalt gibt es keinen. Da das ein Zug speziell für den Tierpark ist, hat der auch ein entsprechendes Design:
Zug der von Takahatafudo nach Tama Doubutskouen fährt.

Tokyo ist, wie wohl bekannt ist, eine sehr laute Stadt. An und für sich wäre es ja nicht so laut: die Autos machen normalerweise nicht viel Lärm. Aber die Japaner mussten da natürlich nachhelfen. Sie haben einige Autos und sogar Lastwägen, die mit Lautsprechern ausgestattet sind und dir irgendeine Werbung übermitteln. Ob es ein neues Album einer bekannten Band ist, oder eine Firma, die verzweifelt versucht in einem ruhigen Ort am Sonntag um zirka 10 Vormittags Kühlschränke, Waschmaschinen, etc. zu verkaufen.
Aber nun zurück zu den Zügen: da den Japanern die Stationen (trotz "Stations-Ansage-Mensch) wohl zu ruhig waren, mussten sie hier ebenfalls nachhelfen. Aber diesmal nicht mit Werbung, sondern einer Melodie, die erklingt, sobald der Zug stehen geblieben und dann auch schon kurz vorm Wegfahren ist. Ganz genau habe ich das System nicht verstanden. Aber so viel ich mitbekommen habe, hat jede Linie bei jeder Station eine eigene Melodie. Oder haben vllt. alle Linien bei einer Station dieselbe?  Diese Melodien reichen von "Einschlaf-Melodien" bis ziemlich wilde Melodien wie die in Ochanomizu (Chuo Linie). In der Früh, wo es ja alle eilig haben, ist diese Melodie allerdings zu lang und wird meistens bei der Hälfte abgebrochen.
Korrigiere: Es gibt Stationen, wo jede Linie und sogar jede Richtung eine eigene Melodie haben kann. Hier ein Beispiel für Shinjuku. Und da ich es schon erwähnt habe, auch noch die Melodien von Ochanomizu. (gemeint hab ich die 2. Melodie)
(ich pack es jetzt echt nicht, dass ich diese blöden Melodien tatsächlich und auch ohne viel Suchaufwand gefunden habe xD)


Als Fahrkarten gibt es in Japan mehrere Versionen: generell sind einmal die "Papier"-Fahrkarten, die man in einen Schlitz stecken muss und am anderen Ende (mit einem Loch) wieder heraus kommen und die Elektronischen, mit denen man einfach nur einen Punkt berühren kann.
Für die, die es noch nicht wissen: in Japan gibt es Fahrkartenkontrollsperren. Das sind so Geräte, die einem den Durchgang versperren, sollte man keine passende Fahrkarte (in welcher Form auch immer) haben. Eigentlich kann man ja sehr leicht über diese "Sperren" drüber springen, allerdings wird man dann sehr bald jemanden am Hals haben. Also empfehlen kann ich es daher nicht. Eine Fahrkarte wird da wohl günstiger kommen.
Gibt es wegen diesen Sperren nicht voll den Stau in der Früh? Nein. Diese Dinger sind so schnell, dass man im gewohnten Tempo durch gehen kann. Auch wenn man diese Papierfahrkarten hat. Die kommen sehr schnell aus der anderen Seite wieder heraus geschossen.
Bahnhof mit Fahrkartenkontrollsperren

"Züge in Japan sind immer pünktlich." Naja, Shinkansen und ähnliche Züge vielleicht. Sehr pünktlich sind sie schon, nur das "immer" stimmt wohl nicht ganz. Bei der Keio Linie habe ich da schon so meine Erlebnisse gehabt. (ich muss aber dazu sagen: ich habe gehört, dass die so ziemlich die schlechteste Linie ist, was das angeht, dafür ist sie sehr günstig)
Sollte es mal eine Verspätung geben, steht beim Ausgang schon ein Bahnhofsangestellter mit kleinen Zetteln in der Hand, die man sich nehmen kann. Diese kann man dann in der Arbeit oder Schule abgeben. (in meiner letzten Woche habe ich 3 dieser Dinger von der Keio Linie eingesammelt)






Ich hoffe mal, ich habe jetzt so ziemlich alles gesagt, was man über die Bahn in Tokyo sagen kann. Eigentlich eh sehr viel XD
Technische Details wie beispielsweise die Züge gebaut sind, wie viel Energie sie verbrauchen, oder wie viele Sitzplätze es pro Zug gibt, wie lange so ein Fahrer am Tag fährt, etc. erspare ich mir hier lieber (mal abgesehen davon, dass ich das nicht weiß ...).

Es gibt sicher noch irgendeinen Blödsinn, den ich erzählen könnte... aber mir fällt jetzt nichts mehr ein.
Ich glaub das ist auch mehr als genug.

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