Saturday, 13 September 2014

Die ersten Tage am Yamada Hof

Nachdem ich Matsumoto verlassen und einen Tag in Tokyo verbracht habe, ging es für mich nach Shiga, das ist gleich neben Kyoto. Mit dem Nachtbus nach Kyoto und dann mit Zug und Bus bis zur Shigaraki Station, wo ich abgeholt wurde.

Ich bin noch nicht mal eine Woche hier, aber mittlerweile weiß ich schon einiges über den Hof, wie interessant es hier ist und wie anstrengend die Arbeit sein kann. Ehrlich, ein einmaliger Host würde ich sagen!

Neben mir ist auch noch ein Deutscher hier. Nachdem ich 2 Monate lang nur Japanisch und Englisch geredet habe, war es zuerst eine riesen Umstellung plötzlich wieder Deutsch zu Reden. Ihr könnt mir nicht glauben, wie schnell man seine eigene Muttersprache zumindest vorläufig vergisst! Jetzt verstehe ich nur zu gut, wie es Japanern geht, die ein Jahr oder länger in Amerika oder so verbracht haben. Natürlich, jetzt rede ich wieder flüssig Deutsch und habe auch meinen österreichischen Akzent wieder. Aber zumindest einen Tag hat es gebraucht, bis die Sprache wieder vollständig da war! o__O

Wie auch immer, zum Glück bin ich nicht alleine und zum Glück wusste ich schon im Vorhinein, dass der Host gut ist. In den ersten Tagen hätte ich das nämlich nicht geglaubt! Arbeitstag ist 12 Stunden, davon 9 Stunden, in denen man mehr oder weniger anwesend sein muss und 7 (!) Stunden  reine Arbeitszeit! Wenn man irgendwas putzt oder die unzähligen Viecher füttert, geht das ja gerade noch.
Aber das Melken ist voll der Stress! Das Melken selbst dauert vielleicht 2 gute Stunden, in der um die 80 Kühe durchlaufen. Melken tun meistens 2-3 Leute, wir beiden WWOOFer stehen dabei und helfen mit kleinen Tätigkeiten wie Zitzen Säubern und Desinfizieren. Das Melken selbst und die Kontrolle dürfen wir natürlich nicht machen, das ist auf einem Hof wie hier viel zu riskant.
Aber zumindest kann ich es beobachten, wobei ich echt viel gelernt habe. Melken selbst durfte ich ja schon in Monbetsu, also ist es für mich vollkommen okay. ^-^

Kommen wir zu den Viechern. Neben den keine Ahnung wie vielen Kühen und Kälbern (und einem kastrierten Stier) gibt es hier unzählige "Haustiere". Ja, Haustiere... Um die 5~8 Ponys, eine Wildschwein-Hausschwein Kreuzung (Inobuta) + Junges, Hühner, 2 Hasen, 2 Pfaue, 2 Strauße, ein Schaf, vermutlich 2 Hunde, ein paar Katzen und keine Ahnung, ob ich was vergessen hab. XD Er will sich auch Emus zulegen, aber die scheinen schwer zu bekommen sein. Was für ein Sammler! XD Mich wunderts echt, dass dieser Sammler nicht mehr Kuhrassen hat! o__O Er hat hauptsächlich Holstein (die Standard schwarz-weißen Viecher), ein paar Jersey und angeblich Brown Swiss, welche ich aber noch nicht wahrgenommen habe... Die 1, 2 Wagyu Kreuzungen werden ziemlich bald verkauft, also nix, was großgezogen wird... Da hat ja schon Hide-san (in Takinoue, bei Monbetsu) mehr Vielfalt!

Der Arbeitstag beginnt um 7:30 und endet gegen 19:30. Dann sollte man schnell Duschen gehen, damit man so gegen 20 Uhr zum Abendessen kommt. Das ist auch die einzige Zeit, in der man sich richtig mit der Host Mama unterhalten kann. Also 30~60 Minuten pro Tag, was für mich ungewöhnlich wenig ist. Den Host-Papa (der Chef hier), den sieht man noch weniger, ist aber ein sehr sympathischer Mensch! Man unterhält sich hier Großteils mit der Chefin unter den Arbeitern und den anderen Mädls, die hier arbeiten. Oder vielleicht freundet man sich mit den beiden Männern (ein Tischler und ein Hobby-Gemüsebauer) an, die täglich hier am Hof herum rennen. Oder man unterhält sich mit Gästen, was auch sehr interessant sein kann. ~

Zurück zum Tagesablauf... Sobald man kurz vor 7:30 im Kuhstall erscheint, sieht man, wie alle bereits voll am Melken sind. Entweder man hat das Glück und kann die Kälber füttern, oder man muss bereits um diese frühe Uhrzeit beim Melken assistieren. Gegen 9:30 gibts Frühstück, was man sich aus Toast mit Aufstrich, Eiern und einem Haufen Eis zusammen bastelt. Und natürlich ein Glas Milch, die übrigens sehr gut ist.
Das Frühstück zieht sich eine Stunde und danach geht es zu diversen Arbeiten. Die bestehen meistens aus Jungrinder + Haustiere füttern oder Kälber hin und her transportieren.
Gegen 12 gibt es Mittagessen. Dafür holt man sich eine Bento Box vom Haus (was etwas weiter unten als der Kuhstall ist) und isst sie wo man will. Ich esse meist mit dem Deutschen und dem Tischler der hier arbeitet.  Man hat bis 15 Uhr Freizeit.

 
Dann geht es aber los mit Kälber Füttern und diversen Vorbereitungen fürs Melken. Dann gibts wieder eine Pause, wieder mit Milch und dem Haufen Eis.  Ich glaub ich hab nirgends so viel Eis auf einmal gegessen wie hier! XD
Um 17 Uhr geht das Melken los und danach putzt man bis gegen 19:30.

Zum Melken selber...
Also es ist wesentlich professioneller als in Taiyo Bokujo, was aber zu Erwarten war, ehrlich! XD Zuerst tun die Mädls Vormelken (= mit der Hand, 2-3 Strahlen), dann können wir die Euter mit einer Dipp Lösung desinfizieren. Gleich danach werden die Zitzen mit einem Tuch gereinigt. Man muss echt aufpassen, die Mädls sind sehr genau, also keinen Dreck übersehen! ;) Als nächstes wird bereits das Melkgerät angesetzt und gewartet, bis es fertig ist. Der Computer weiß genau wann genug ist und kann das Melkgerät (bis auf einige Ausnahmen) von selbst vom Euter ziehen. Danach noch kurz mit der Hand melken (als Kontrolle) und dann werden wir schon zum desinfizieren gerufen ("7-ban owari (desu)" zum Bespiel).
Pro Seite können 8 Kühe stehen und wenn alle 8 fertig sind (sie können natürlich gleichzeitig gemolken werden), werden sie raus gelassen und die nächsten 8 Kühe rein gestopft.

 
Wir WWOOFer haben ein eigenes Mini-Haus für uns. Es hat 2 Schlafzimmer und einen überdachten Vorraum. Das Klo ist ein paar Schritte vom Haus entfernt. Oben gibt es sogar ein traditionelles Bad im Freien (überdacht und mit ner Wand natürlich), welches man aber erst dann verwenden sollte, wenn man sich mit dem Mann angefreundet hat, der dort oben wohnt. Wow, klingt wie ein Achievement in einem Videospiel. XD 

vom Haus Richtung Kuhstall
Waschmaschine steht vorm Haus und die Zimmer sind vollklimatisiert. Man muss nur wissen, wie man die Klimaanlage bedient, was nicht ganz so einfach ist. XD Betten sind 2 pro Zimmer, also insgesamt können 4 WWOOFer auf einmal da sein. Wären es Futons, dann könnte man 3 Leute in ein Zimmer stopfen... Aber ich glaub so viele Leute wollen die gar nicht. ^^"


Ansonsten... der nächste Konbini (7Eleven) ist 20 Minuten mim Rad entfernt. Aber eigentlich ist man hier ziemlich abgeschottet. Ist man aber gut mit dem Tischler (jetzt kommt wieder das Achievement XD), dann bringt der einen gerne in der Mittagspause mit dem Auto wo hin.

Alles in Allem ist das hier ein echt genialer Ort! Es gibt so viel zu entdecken und man lernt wahnsinnig viel. Auch wenn ich es nicht so gewöhnt bin, in einem anderen Haus als der Host zu wohnen... Die Arbeit ist halt etwas anstrengend und man braucht den einen freien Tag pro Woche wirklich dringend! Wann man sich frei nimmt, ist aber glaub ich egal.





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