Mittwoch, 25. September
Mein friedliches Alleinsein sollte heute ein Ende haben, denn eine Japanerin, die das letzte Mal vor 4 Jahren da war, sollte kommen. Beziehungsweise wusste ich noch nicht, dass es eine Japanerin ist. Ich habe immer nur von "Mappi" gehört.
Es war ein regnerischer Tag und ich hatte eigentlich nichts zu Tun. Ich wurde zwar beauftragt, Staub zu Saugen, aber blöderweise hat sich der Staubsauger immer nach 20 Sekunden ausgeschaltet. Mir war schon klar, dass sicher der Beutel voll ist. Aber wie soll ich hier bitte einen neuen finden und falls ja, wie wechsle ich den, ohne ein Chaos anzurichten. Japanische Geräte sollte man ja nicht unterschätzen! Also habe ich mich einfach vorm Fernseher gelegt und einen Bericht über Wohngemeinschaften unter miserablen Bedingungen angeschaut.
Als alle wieder da waren, haben die dann den Staubbeutel gewechselt. Und Mappi wollte mir gleich die Arbeit abnehmen. Ich wusste nicht ganz, was ich von ihr halten sollte. Immerhin hat sie immer nur über die Zeit vor 4 Jahren geredet und kaum über sich. Sie hat sogar ein Fotoalbum von damals von den Kindern mitgenommen und alle mussten lachen, als sie das Foto von Hiro gesehen haben. Der mittlerweile 14-Jährige hat damals echt so ausgeschaut wie sein 10-jähriger Bruder jetzt ausschaut. Liegt vielleicht hauptsächlich an der Frisur. Aber sehr schlimm soll er auch mal gewesen sein. Asuka, die damals 8 war, hat wie ein liebes Mädchen ausgeschaut, ganz anders als heute. XD
Wir sind später zum Supermarkt gefahren und ich habe mich etwas länger mit Mappi unterhalten. Sie ist 35 und arbeitet irgendwas mit Rehabilitation. Der Beruf gefällt ihr zwar, aber in letzter Zeit fühlt sie sich nicht wohl und überlegt aufzuhören.
Dann ging es weiter zum Onsen (was auch so eine Art Touristenzentrum ist). Man findet drinnen einen Haufen an Souvenirs. Aber nicht nur Sachen aus Mukawa, sondern vor allem allgemeine Hokkaido Souvenirs. Zum Beispiel "Shiroi Koibito", welches man in Hokkaido überall sieht und daher wohl ein beliebtes Mitbringsel zu sein scheint.
Mappi hat sich umgeschaut und wir sind in einen Raum gegangen, wo man ein bisschen was über Mukawa erfährt. Vor allem ging es um einen Mann namens Suzuki Akira (鈴木章), der 2010 einen Nobelpreis in Chemie gewonnen hat. Er ist heute übrigens 83 Jahre alt und wohnt in Ebetsu. Von ihm gab es eine lebensgroße Statue und weiter hinten einen kurzen Film über ihn, den man sich dort auf Knopfdruck anschauen konnte. Links davon waren lauter alte Klassenfotos, auch eines von dem Opa von Kazu.
Da mich Menschen nur wenig interessieren, hab ich das ausgelassen und dafür einen Text fotografiert, bei dem ich dachte es steht was über Mukawa. Daweil geht es wieder um Suzuki-sensei...
Es steht halt drauf, dass er aus Mukawa kommt und deswegen alle hier sehr stolz sind. Außerdem ist er der erste aus Hokkaido, der einen Nobelpreis in Chemie bekommen hat.
Wie man oben sieht, kann man Mukawa auch in Kanji (鵡川) schreiben. Diese Schreibweise ist jedoch veraltet und heute wird es nur noch in Hiragana geschrieben. Das Kanji dient nur noch zu "Dekoration". Wobei "veraltet" wohl etwas zu tragisch klingt... 2006 wurden Mukawa und Hobetsu zusammengeführt und der neue Name war nur noch in Hiragana. Ob man den Ort selber (also nicht die Region Mukawa) auch in Hiragana, oder weiterhin in Kanji schreibt, weiß ich aber nicht. Auf Wikipedia habe ich zumindest 2 verschiedene Seiten auf Japanisch gefunden.
Die Bilder neben dem Text fand ich voll schön. Oben ist der Fluss (Mukawa) und unten eine Löwenzahnwiese, auf die Mukawa sehr stolz ist und daher heißts ja auch "das Dorf der Löwenzähne" mit Tanpopo-chan (tanpopo = Löwenzahn) als Maskottchen. Es ist übrigens auch auf den Versandboxen für den Kohl und die Kürbisse drauf. ;)
Aber Mukawa ist nicht nur für seine (leider weniger werdende) Löwenzähne bekannt. Was Essen angeht, kennen sich Japaner natürlich immer sehr gut aus und daher ist Mukawa bekannt für die Shishamo Fische. Diese wurden früher sorgfältig so aufgehängt und getrocknet. Heute ist es halt ein bisschen modernisierter.
Bei der Fischabteilung angekommen, wurden Mappi und ich gleich von einem sehr netten Mann begrüßt. Bevor wir nur irgendwas sagen konnten, hat er uns schon Shishamo zum Probieren angeboten. Wir haben uns bedankt und es gleich probiert. Schmeckt wirklich sehr gut und hat einen Geschmack, der sehr schwer zu beschreiben ist. Mit dem typischen Fisch Geschmack hat das nichts mehr zu tun. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Mann sind wir dann gegangen und kurz darauf mit Naomi wieder zurück gekommen. Wir haben gleich nochmal Shishamo bekommen, auch Naomi. Sie hat sich dann mit dem Mann unterhalten und wie immer hat sie über mich erzählt. Und dann gab es einfachheithalber schon wieder Shishamo, diesmal aber Weibchen mit Eiern drin, die etwas komisch geschmeckt haben... Naomi hat gleich Shishamo gekauft und wir sind gegangen.
Kaum waren wir zurück, wurde die heiße Platte auf den Tisch gestellt und es wurde der gerade erworbene Fisch darauf gebraten. Shishamo ist nicht gleich Shishamo und für Touristen sind die Weibchen sehr beliebt, da sie ja Eier drinnen haben und sowas klingt doch einfach besser! Dementsprechend sind die Weibchen auch teurer. Allerdings: die Männchen schmecken wesentlich besser. Das weiß auch jeder, nur halt die Touristen nicht. ^^ Irgendwann hat es mir dann aber gereicht... ich glaub ich hatte genug Shishamo fürs ganze Jahr gegessen...
Am Abend habe ich wieder mit den beiden Burschen Super Smash Bros gespielt. Diesmal in deren Zimmer, da sie irgendwo einen kleinen Fernseher ausgegraben und die Wii nach oben genommen haben. In dem Moment, wo Mappi eigentlich ins Zimmer gehen wollte, wurde sie von Hiro gerufen, da sie auch mitspielen sollte. Sie hatte zwar absolut keine Ahnung, war aber voll gut. Sowas nennt man wohl Talent. oO




No comments:
Post a Comment