Tuesday, 24 July 2012

Fujisan


Fuji-san? Behandeln die Japaner ihren Lieblingsberg wie einen Menschen? ("-san" nach einem Namen ist eine neutrale Anrede, in etwa mit Herr/Frau zu übersetzen) Ab und zu hängen sie aus Spaß den Tieren das -san an (oder beispielsweise dem Mond), aber bei Bergen ist das etwas anderes. Das Kanji hat die Bedeutung Berg - "yama" auf Japanisch. Daher kommt auch das "Fuji-yama", wie der Berg halt bei uns bekannt ist. In Japan sagt aber NIEMAND Fujiyama. Das Schriftzeichen für Berg hat nämlich noch eine andere Lesung, nämlich "san". Das ist die On-Lesung, und bedeutet, dass es ein chinesisches Wort ist, das die Japaner übernommen haben. "Dann können die Japaner sicher gut Chinesisch!" Naja, nicht ganz. Ich bezweifle, dass die Chinesen ihre Wörter wieder erkennen würden... "san" ist zwar Berg, aber wer ein bisschen Ahnung vom Chinesischen hat, wird wissen, dass das Wort bestimmt betont werden muss, damit es ein Chinese als "Berg" versteht.

Von den Chinesen nun zurück zu dem japanischen Berg. Fujisan ist eines der Markenzeichen von Japan - ein blauer Berg mit einer weißen Spitze. Die Form ist auch sehr interessant. Grund dafür ist, dass es eigentlich ein Vulkan ist - mit sehr geringem Ausbruchsrisiko, versteht sich. Der letzte Ausbruch war so gegen 1700.

Bei diesem Berg geht es den Japanern vor allem ums "Sehen". Ein beliebtes Reiseziel sind für die Japaner somit Orte, von denen aus man ihn sehen kann. Der Berg befindet sich in den Präfekturen Yamanashi und Shizuoka. Welche der Präfekturen besser ist, um Fujisan anzuschauen, weiß ich nicht. Soweit ich weiß, waren wir in Yamanashi, ich kann mich aber auch irren.
Eines Tages habe ich zu diesem Thema aber etwas Interessantes im Fernsehen gesehen: Zwei Fotografen konkurrieren darum, aus welcher Gegend man den Berg besser sehen kann. Sie haben zu den verschiedensten Themen wie z.B. "Moderne" oder "Ruhe" ein Foto her zeigen müssen und die Jury (Ausländer!) entscheidet, welches Foto schöner ist. Es waren unglaublich tolle Bilder dabei. Ich fand Yamanashi besser und das hat auch gewonnen. Wobei die Fotos aus Shizuoka auch unglaublich waren.
Sehen kann man Fuji aber (bei schönem Wetter) auch aus Tokyo. Schön soll auch die Sicht vom Meer von Kamakura sein - was ich aber nicht gesehen habe.

Natürlich kann man diesen Berg auch besteigen, allerdings wird geraten das nur im Sommer oder kurz davor/danach zu machen. Außerhalb dieser Saison sollten sich nur Leute daran wagen, die sich (mit Bergen) gut auskennen.
Allerdings habe ich gehört, dass der Aufstieg nicht so erfreulich sein soll: es liegt sehr viel Müll herum. Außerdem häufen sich die Menschen und es kann sein, dass man sich die "Spitze" des Berges mit 3000 Leuten teilen kann. Na gut, ich glaub diese Zahl war eher auf täglich bezogen...
Wenn man sich von "Müllbergen" und anderen Touristen nicht aufhalten lässt, kann man hier erfreut sein: dank dieser Form soll der Fuji leichter zu besteigen sein, als so manch anderer Berg.
Ich würde es gerne eines Tages einmal versuchen!


Aber nun Weiteres zu dem, was ich mit meiner Gastfamilie gemacht habe: den Berg anschauen!

Eigentlich dachte ich eher, dass wir näher an den Berg heran fahren und vielleicht ein bisschen herum gehen. Da wusste ich nichts vom eigentlichen Ziel: wie typische japanische Touristen Fujisan von verschiedenen Orten aus fotografieren.

Die Autofahrt war sehr lang und ziemlich uninteressant. Plötzlich tauchen Berge vor uns auf. Mein Gastvater hat sich gefreut und mich gefragt, ob die Berge bei mir in Österreich auch so sind. Essen haben wir uns bei einer Raststation geholt. Wobei ich von der großen Auswahl leicht überfordert war. Nach langem Überlegen hatte ich nun endlich mein Essen.
Die Fahrt habe ich dann damit verbracht, E-Mails zu schreiben. Ja, E-Mails auf deutsch zu schreiben, dauert bei so einem japanischen Handy schon seeehr lang. Aber ich habe diese E-Mail Funktion geliebt *.* Und dadurch musste ich nicht mehr an den Computer, um meine E-Mails zu checken, was schon sehr praktisch war. Wie auch immer, plötzlich rufen mich beide und als ich aus dem Fenster schaue, sehe ich nun endlich diesen berühmten Berg.
Später sind wir an einem Vergnügungspark vorbei gefahren. Sie haben mir erzählt, dass der bei japanischen Touristen sehr beliebt ist. Warum? Na wegen dem Berg natürlich!

[Ort 1]

Hier sind wir als erstes hingekommen. Weil ich dachte, dass das jetzt ein längerer Aufenthalt wird, habe ich mein ganzes Zeug auch mitgenommen. Wir gehen etwas und dann sehe ich, was so besonders an diesem Ort war:


Dann wollte mein Gastvater unbedingt ein Foto von mir vor Fujisan machen.
Und kaum war das Fotografieren zu ende, wollten meine Gasteltern auch schon wieder gehen. Eigentlich wäre ich noch gerne kurz hier gesessen. Aber es schien so, als hätten wir noch viel vor uns.
Und dann ging es wieder vorbei an diesem nervigen Stein, der klassische Musik von sich gibt. Diese Japaner...


Diesmal war die Autofahrt aber interessanter: Die ganze Zeit war Links von uns der See und immer wieder hat man den Berg gesehen. Und viele Leute haben diesen Sonntag genutzt, um es sich vor Fujisan bequem zu machen. Auch Familienpicknicks habe ich gesehen.



[Ort 2 - Motosuko See]

Dieser Ort war wunderschön. Im Vergleich zu vorigen waren hier aber mehr Menschen. Ohne Genaueres zu wissen, mache ich mal ein paar Fotos und lasse mich auch hier von meinem Gastvater vor dem Berg fotografieren. Dann war er ganz aufgeregt und zeigt mir einen 1000 Yen Schein.

Wer schon mal in Japan war, wird sicher schon einmal das Bild von Fuji auf den 1000 Yen Schein gesehen haben. Diesmal konnte ich dieses Bild sogar in echt sehen!


Und hier haben wir auch den Beweis:


Und das Foto von mir...


Aber diesmal haben wir uns hier ein bisschen hingesetzt, um das von der Raststation gekaufte Essen, zu essen. Selbst wenn es nicht die 1000 Yen Langschaft gewesen wäre, hätte sie mich trotzdem gefesselt. Vor allem der See. Der war so schön! Die Gelegenheit habe ich auch gleich ausgenützt, um meinen Gastvater stolz zu zeigen, dass ich ein bisschen was von einem Rätsel aus der Zeitung gelöst habe. Er hat mir jede Woche diese Rätsel (inklusive Sudoku) gegeben. Aber dieses Rätsel hat er nicht verstanden. Na gut, ich hab zwar 2 Antworten von den Fragen gefunden, aber was ich mit den Antworten anfangen sollte, wusste ich auch nicht. Dann habe ich wieder die Landschaft angestarrt. Die Leute sind gekommen und gegangen.


Bevor es weiter geht, haben meine Gasteltern noch überlegen müssen. Und dann sind wir auch noch in die falsche Richtung gefahren. schade eigentlich, weil dort hat es mir gefallen! (aber leider konnte man Fuji nicht mehr so wirklich sehen...)


[Ort 3]

Dann wieder eine längere Fahrt. Wir sind an einem großen See vorbei gekommen. Und da hatte ich schon das Gefühl, dass wir bald am Ziel sein könnten. Dann habe ich dieses tolle Schwan Schiff entdeckt.


Und an der ersten Touristengruppe sind wir auch schon vorbei gefahren. Plötzlich geht es aber bergauf.
An einem Parkplatz bleiben wir stehen. Ein paar Touristen waren auch dort. Es war auch ein Paar mit einem Neugeborenen dort. Sicher ein tolles Familienfoto mit Fuji im Hintergrund!

Ich habe lange überlegen müssen, wie der Berg am Foto am besten zur Geltung kommt. Ich hätte vielleicht doch noch ein paar mehr Fotos von dort machen sollen.


Und auch von hier war dieses Schwan Schiff wieder sichtbar!

Dann hieß es aber: Heimweg! Wir wollten ja nicht in diesen furchtbaren Stau stecken, den es vor allem jeden Sonntag Abend gibt! Und wieder haben wir an einer Raststation gehalten. Was wir dort genau machen wollten, war mir nicht ganz klar. Ich bin die ganze Zeit nur meinen Gasteltern nachgerannt. Sie haben sich gratis Tee geholt und sind dann durch die Halle gegangen und haben geschaut.
Es gab dort echt viele Souvenirs, vor allem mit Fuji. Aber noch beliebter: Essen und Süßigkeiten aus der Region! Wie konnte ich vergessen, dass Japaner ja ganz vernarrt auf Essen sind...
Meine Gasteltern haben mich immer wieder gefragt, ob ich nichts kaufen will. Irgendwie war ich nicht gerade in Stimmung dafür. Und vor allem: Was sollte ich mit Essen aus der Region anfangen? XD
Dann sind wir nun endgültig nach hause gefahren.

Letztens habe ich gelesen, dass es bei Japanern üblich ist, nach einem Ausflug zur nächsten Raststation  zu fahren und dort Souvenirs zu kaufen. Ok, ich glaub jetzt ist mir alles klar, warum das dort so seltsam war: Meine Gasteltern wollten mir die Gelegenheit bieten, Souvenirs zu kaufen! Nur für wen denn? ...

Zuhause angekommen, hat uns schon meine Gastschwester erwartet. Sie wurde ganz alleine Zuhause gelassen. Und das Beste: Sie wusste von unserem Ausflug nichts!
Sie steht am Vormittag auf und wundert sich, warum NIEMAND Zuhause ist. Irgendwann zu Mittag kriegt sie dann ein E-Mail von ihrer Mutter mit: "Man kann Fujisan sehen!"



Und noch etwas was ich loswerden will: Was ist so besonders an diesem Berg?

Fujisan ist praktisch genau so hoch wie der Großglockner. Aber der Großglockner ist höher! Um ca. 22m! XD Aber Österreichs größter Berg ist von einigen anderen großen Bergen umgeben und außerdem hat er nicht so eine vulkanische Form. Dadurch sticht unser Lieblingsberg auch nicht so wirklich aus der Berglandschaft heraus.
Bei Fujisan ist das anders. Man kann ihn bei sehr schönen Wetter sogar auch aus Tokyo sehen und dank seiner Form kann man ihn mit keinen anderen Berg verwechseln. Außerdem hebt sich aus der Landschaft um Fuji herum kaum ein anderer Berg so wirklich hervor. Dadurch wirkt er so besonders. Er ist auch sehr schön mit dem Schnee, der zu dieser Jahreszeit, ca. die Hälfte des Berges bedeckt.

Großglockner: 3798m
Fujisan: 3776m


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